Mängel am Wohnmobil – Ansprüche des Käufers

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Rücktritt vom Kaufvertrag über ein Wohnmobil

Ein Sachmangel am Wohnmobil ist ärgerlich, doch was sind Ihre Rechte?

Das Wohnmobil unterscheidet sich vom Auto in seiner besonderen Ausstattung für das Wohnen auf Reisen. Durch seine vielfältigen Möglichkeiten das Fahrzeug zu nutzen – eben nicht nur zum Fahren von A nach B – wie dem Kochen, dem Mobiliar zum Schlafen sowie zum Verstauen des Gepäcks und der häufig vorhandenen Nasszelle ist die Bandbreite der Mängel besonders hoch.

Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, möchte entspannen und abschalten, was nur schwer möglich ist wenn ein Mangel nach dem anderen zutage tritt. Insbesondere wenn Werkstattbesuche auf Reisen eben nicht beim Händler der Ihnen das Wohnmobil verkauft hat möglich sind, oder gar eine Werkstatt im Ausland eine Reparatur vornehmen muss.

Bevor der Rücktritt vom Kauf eines Reisemobils ohne weitere Fristsetzung erklärt werden kann, muss dem Verkäufer grundsätzlich zwei mal erfolglos die Möglichkeit zur Nacherfüllung, also der Reparatur gegeben werden.

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Rücktritt beim Wohnmobilkauf – wann kann ich diesen erklären?

Falls Sie unsicher geworden sein sollten, ob ein Rücktritt in Ihrem Fall erfolgreich erklärt werden kann, beraten wir Sie gerne, schreiben Sie uns!

Die Möglichkeiten erschließen sich nämlich nicht nur durch etwa die Einordnung als Montagsauto oder nach Duldung vergeblicher Nachbesserungsversuche des Verkäufers. Der häufigste Grund für einen Rücktritt liegt darin, dass das Fahrzeug (Wohnmobil, Reisemobil) eine zugesicherte Eigenschaft tatsächlich nicht aufweist, was ebenfalls ein erheblicher Sachmangel sein kann.

Wohnmobil als Neufahrzeug bei älterem Chassis? (OLG Brandenburg)

Liegt noch ein Neufahrzeug vor, wenn das Chassis älter ist als das montierte Fahrzeug? Das kommt darauf an.

Die für die Neuwageneigenschaft eines Wohnmobils relevante Jahresfrist von der Herstellung bis zur Auslieferung beginnt erst mit der vollständigen Fertigstellung des Fahrzeugs, nicht bereits mit der Auslieferung des Chassis an den Wohnmobilhersteller, so das OLG Brandenburg (mehr hierzu erfahren).

Diskrepanz zwischen Herstellungsdatum und Erstzulassung eines Campingfahrzeuges (OLG Braunschweig)

Liegt ein Sachmangel am Wohnmobil vor, wenn Herstellungsdatum und Erstzulassung voneinander (erheblich) abweichen? Auch hier kommt es auf den Zeitraum an.

Liegt zwischen dem Zeitpunkt der Herstellung und Erstzulassung ein Zeitraum von 19 1/2 Monaten, stellt dieser Umstand beim Kauf eines in dem Zeitraum ab dem “lt. Fzg.-Brief” mitgeteilten Erstzulassungszeitpunkt von 2 Jahren und 4 Monaten offenbart über 38616 km als Mietfahrzeug genutzten Gebrauchtwagens kein den Käufer zum Rücktritt berechtigender Mangel dar, so das OLG Braunschweig (mehr hierzu erfahren).

,,Guter Zustand” als Beschaffenheitsvereinbarung (OLG Köln)

Wie sieht es mit anpreisenden Werbetexten des Verkäufers aus? Auch hier ist der Einzelfall juristisch zu bewerten.

Aus der Formulierung “Das Wohnmobil ist in einem guten Zustand. Zuletzt waren wir mit dem Womo in Spanien und alles hat super geklappt.” ergibt sich nach Ansicht des OLG Köln eine dahin gehende Beschaffenheitsvereinbarung, dass das Campingfahrzeug jedenfalls fahrbereit sein sollte, worunter die Rechtsprechung versteht, dass das Fahrzeug nicht mit verkehrsgefährenden Mängeln behaftet ist, aufgrund derer es bei einer Hauptuntersuchung als verkehrsunsicher eingestuft werden müsste (mehr hierzu erfahren).

Angabe “Vorführwagen” beim Wohnmobil (BGH)

Häufig werden so genannten Vorführwagen verkauft. Kann hier der Käufer eines Campers erwarten, dass das Fahrzeug ein bestimmtes Alter nicht überschreitet? Der BGH verneint das, bezogen auf den konkreten Fall:

Beim Kauf eines Kraftfahrzeugs (hier: eines Wohnmobils) wird allein mit der Beschaffenheitsangabe “Vorführwagen” ein bestimmtes Alter des Fahrzeugs nicht vereinbart. Dies schließt nicht aus, dass der Käufer eines Vorführwagens aufgrund besonderer Umstände im konkreten Fall erwarten darf, dass ein als Vorführwagen angebotenes Fahrzeug ein bestimmtes Alter nicht überschreitet (mehr hierzu erfahren).

Wohnmobil als Montagsauto und wann rechtfertigt das den Rücktritt?

Die Definition Montagsauto – den Begriff haben wohl die meisten schon kennengelernt, gerade als Betroffener der unschönen Folgen. Dass es solche Fahrzeuge gibt, bei denen ein Mangel nach dem anderen auftritt und die Werkstattbesuche nicht abreißen, hat inzwischen auch vor den Gerichten Eingang gefunden und eine entsprechende Würdigung nach sich gezogen. Doch ab wann definiert das Gericht ein Fahrzeug als ein solches?

Das Zusammentreten vieler, möglicherweise auch weniger gravierender, herstellerbedingter Mängel, die in zeitlich nahe beieinander liegen. Ob es sich bei Ihrem Fahrzeug um ein Montagsauto handelt ist im Einzelfall zu entscheiden.

Zu berücksichtigen gilt nämlich jeweils die Klassifizierung der einzelnen Mängel, liegen diese im Bagatellbereich? Sind sie nur lästig oder gravierend? Lagen diese bei Gefahrübergang § 434 Abs. 1 BGB vor und sind somit dem Hersteller zuzuordnen? Wie hoch sind die Reparaturkosten im Vergleich zum Kaufpreis – sind diese letztlich als unerheblich nach § 323 Abs. 5 S. 2 BGB einzustufen, was den Rücktritt hiernach sogar ausschließen würde?

Die Anzahl der Werkstattbesuche hingegen spielt letztlich keine ausschlaggebende Rolle, sodass ein früheres Handeln durch Einholung eines juristischen Rates viel (weiteren) Ärger ersparen kann.

Die Einordnung als solches bringt als verärgerter Käufer jedoch einen Vorteil. So kann darin ein Grund liegen, dass weitere Nachbesserungen im Sinne von § 440 BGB unzumutbar sind und der Rücktritt ohne Fristsetzung erklärt werden kann.

Bevor der Rücktritt ohne weitere Fristsetzung erklärt werden kann, muss dem Verkäufer grundsätzlich zwei mal erfolglos die Möglichkeit zur Nacherfüllung, also der Reparatur gegeben werden.

Werden die Werkstattbesuche bei fremden Händlern oder Vertragswerkstätten dazu gezählt?

Der Verkäufer muss sich die vergeblichen Nachbesserungsversuche von anderen Werkstätten nicht zurechnen lassen. Das ist zwar ein ärgerlicher Umstand, im Hinblick auf das Interesse des Verkäufers jedoch eine nachvollziehbare Wertung. Ob hingegen die Reparatur einer Vertragswerkstatt als zurechenbare Mangelbeseitigung, also als Nachbesserungsversuch gewertet werden muss ist bislang nicht höchstrichterlich geklärt.

Wie werden Absprachen zu Reparaturen in fremden Werkstätten gewertet?

Weiterhin gilt zu beachten, dass die Absprache mit dem Verkäufer Garantiereparaturen woanders durchzuführen nicht die Gewährleistungsebene mit einschließt, sodass Nachbesserungsversuche weiterhin nur durch den Verkäufer wahrnehmbar sind.

Was ist bei der Erklärung des Rücktritts zu beachten?

Bei einer Rücktrittserklärung ist zunächst zu beachten, dass ein erheblicher Grund vorliegt, die Regelungen zur Nachbesserung eingehalten wurden und eine womögliche Fristsetzung stattfand. Die Erklärung muss eindeutig zu verstehen geben, dass ein festhalten am Vertrag nicht mehr gewünscht ist und die Rückzahlung des Kaufpreises gegen Rückgabe des Fahrzeugs gefordert wird. Aus Gründen der Beweisbarkeit empfiehlt sich eine schriftliche Erklärung mit Einlieferungsbeleg.

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